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Weit

veröffentlicht am: 03. März 2024 | Doris Renoldner

Ein windstiller Morgen. Blass und zart liegt die Bucht vor uns wie ein Tuch.

Delphine spielen um unser Boot, ab und zu stürzt sich ein Pelikan ins Wasser, um sein Frühstück zu ergattern. Welch friedliche Stimmung am Ankerplatz vor La Paz. Welch perfekter Ort, um sich auf eine lange Ozeanpassage vorzubereiten. Nach gut zwei Monaten in der geschützten Sea of Cortez wollen wir uns wieder auf den Weg machen. 3000 Seemeilen trennen uns von Französisch Polynesien. 3000 Seemeilen Wasserwüste. 3000 Seemeilen Weite. 3000 Seemeilen reduziertes Dasein auf ein paar Quadratmetern Boot. Wir werden mit maximal sieben Knoten, zwölf Kilometer pro Stunde, unterwegs sein. Dies entspricht einer völlig aus der Zeit gefallenen Geschwindigkeit. Jeder Läufer kommt schneller ans Ziel, jeder Radfahrer ist verglichen mit einer Blauwassersegelyacht ein Pfitschipfeil. Wir werden mit wenig auskommen: Wasser, Strom, Essen, Trinken – alles wird sich reduzieren, alles wird unbequem und unperfekt werden. Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz.

Täglich schreiben wir neue Erledigungslisten. Pfefferkörner, Curry und Tomatenmark fehlen zum Beispiel noch, ebenso Getränke, Batterien und ein Rapala-Angelköder. Obst und Gemüse kaufen wir erst knapp vor der Abreise am Frischmarkt. Diesel und Benzin haben wir bereits gebunkert und alle Gasflaschen sind gefüllt. Das gewaschene Kajak und das SUP liegen an Deck zum Trocknen und werden heute verstaut, dito die Fender. Auch die 30 Jahre alten Papierseekarten vom Südpazifik müssen wir noch hervorkramen. Aufbruchstimmung macht sich breit und eine Gefühlsmischung aus Ehrfurcht vor dem Ozean, Respekt vor den Elementen und enormer Dankbarkeit, dass wir zum vierten Mal in unserem Leben, in die Südsee segeln können.

Uferpromenade, Malecon, in La Paz

Ein großes Meer – und der Pazifik ist nun mal der größte Ozean – liegt vor uns. Unvergänglich und unermesslich weit. Wasser bedeckt zwei Drittel unseres blauen Planeten. Seit jeher steht das Meer für Ursprung und Herkunft. Alles kommt aus dem Meer, alles fließt wieder dorthin. Mit unserem Boot können wir von Land zu Land segeln. Zum Beispiel von Mexiko zu den Marquesas Inseln. Losfahren, ohne gleich wieder anzukommen. Sich frei und so ungebunden wie möglich fühlen. Eine Sehnsucht. Eine Verlockung. Eine Herausforderung. Wir können es kaum erwarten!

Vor Anker in Balandra, ganz in der Nähe von La Paz

 


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