Puchberg, 80 Kilometer südlich von Wien, ist auf den ersten Blick in keiner Weise besonders. Auf den zweiten einzigartig.
Dort, wo der erste oder letzte 2000er der Alpen steht. Dort, wo seit Kaisers Zeiten die Zahnradbahn auf den ikonischen Schneeberg fährt. Dort, wo die Sehnsüchte groß sind. Ich habe mir oft vorgestellt, wie es sein wird, wenn wir zurückkommen in unsere kleine Wohnung. Nach 18 Monaten Unterwegssein, nach unzähligen Seemeilen von Kanada bis Neuseeland, das mir jetzt unglaublich weit weg vorkommt. Ist es ja auch. Genau am anderen Ende der Welt. Unglaublich finde ich ebenso, dass wir diese enorme Distanz in 25 Flugstunden überwunden haben und plötzlich wieder da sind. Im alten, im anderen Leben.
Ich frage mich, ob sich die anderen oder wir verändert haben werden? Wir haben eineinhalb Jahre auf unserem Segelboot verbracht. Wir sind von British Columbia über die Westküste der USA nach Mexiko gesegelt, von dort weiter in die Südsee nach Französisch Polynesien, zu den Cook Inseln, ins Königreich Tonga und schlussendlich zur Südspitze des polynesischen Dreiecks nach Neuseeland. Wir haben uns ums Wetter gekümmert, um Einreiseformalitäten, um Bootsreparaturen. Wir haben Dankbarkeit spüren dürfen, wir sind geherzt worden, wir haben neue Leute kennen gelernt, neue Eindrücke, Landschaften, Erlebnisse. Es gab Phasen, da wollten wir dringend nach Österreich, und zu anderen Zeiten wollten wir am liebsten für immer am Boot bleiben.

Dann der Augenblick, als wir mit unseren Reisetaschen plötzlich wieder in unserer Wohnung stehen. Wir müssen vor Freude ein bisschen weinen. Und plötzlich scheint mir, als habe sich gar nichts verändert. Es spürt sich eher so an, als kämen wir von einem dreiwöchigen Urlaub zurück, wäre da nicht der lästige Jetlag. Innerhalb kürzester Zeit haben wir uns wieder an alles gewöhnt: An die Badewanne, die Waschmaschine, das große Bett, … Unser kleines Basislager, in das wir jederzeit zurückkommen können, bedeutet uns sehr viel. Also nehmen wir uns vor, den Alltag in Österreich wertzuschätzen, ihn zu nutzen und ihn auch dann noch zu mögen, wenn unsere Füße längst schon wieder kribbeln. Das Zuhausesein wird nicht mehr nur zwischen unsere Reisen gepresst, sondern ausgekostet. Und diesen Gedanken finde ich nicht nur beruhigend, ich finde ihn verdammt schön.
