Zum Hauptinhalt springen

Fünf Stunden bis zum Meer

veröffentlicht am: 09. März 2026 | Doris Renoldner

Am Ende des Winters wird die Sehnsucht nach Sonne und Meer bei mir jedes Jahr ein wenig drängender. Vorsichtig erinnere ich mich an unser Bootsleben, an das ständige Unterwegssein.

Also steigen wir ins Auto und fahren nach Süden. Nach Italien. An die nördliche Adria.

Der Diesel springt satt an und brummt sein Lied von Aufbruch und Freiheit. Fünf Stunden später erreichen wir das Meer. Still und einladend liegt es vor uns. Endlos silbrig. Der Gedanke, dass die Adria irgendwie mit dem fernen Pazifik verbunden ist - dort, wo Nomad auf uns wartet - beruhigt mich.

Wir besuchen Grado, Lignano, Precenicco, Marano Lagunare, stehen vor der kleinen Kirche am Sternenfluss und fahren natürlich auch zur Marina Sant´Andrea. Von hier sind wir 2012 zu unserer dritten großen Reise aufgebrochen. Vierzehn Jahre ist das her. Ist das viel? Oder wenig?

Italien, Lignano, Punta Faro

Wenn man in unserem Alter zurückblickt, fühlt sich manches an, als wäre es gestern gewesen. Das Zeitgefühl verändert sich bekanntlich im Laufe des Lebens - zugunsten der Älteren, bei denen ein kleiner Dämon heimlich aufs Gaspedal zu drücken scheint. Insgeheim frage ich mich, wie es sein wird, eines Tages wirklich hierher zurückzukehren. Ob wir uns darauf freuen - oder ob uns der Gedanke auch ein wenig Respekt einflößt.

Hand aufs Herz: Wir sind nicht mehr die Jüngsten. Wolf und ich werden heuer zusammen 130 Jahre alt! Eine Zahl, über die man lächeln kann – und die man auch ein wenig spürt. Wir sind nicht mehr so gelenkig, es sei denn, wir machen regelmäßig sterbenslangweilige Gymnastik. Auf der Langstrecke sind wir immer noch gut zu Fuß, aber im Sprint längst nicht mehr so schnell wie früher. Und einen flachen Bauch hat von uns beiden auch keiner mehr.

Links: Italien, Marano Lagunare, rechts: Beim Anselmi auf einen Prosecco

Und doch: Wenn wir im April unseren gemeinsamen 130. Geburtstag feiern, werden wir keine anderen Menschen sein als zuvor. Vielleicht haben sich unsere Ansichten verändert. Das Leben hat uns stärker gemacht – und manchmal auch vorsichtiger und besonnener. Wir tragen viele Erfahrungen und Erinnerungen in uns. Und auch ein paar Enttäuschungen. Aber unsere Vorlieben sind geblieben, ebenso unsere Abneigungen, unsere Ängste und unsere Hoffnungen.

Also stoßen wir an. Darauf, dass unsere Pläne für die kommende Reise Wirklichkeit werden. Dass wir gesund bleiben. Dass unsere Nomad in Topform ist. Dass uns Wetterkapriolen verschonen. Dass wir neue Freunde finden und alte nicht verlieren. Und auch darauf, dass die Welt da draußen wieder ein wenig ruhiger wird. Das erste Glas Wein im Freien ist wie ein Signal. Ein untrügliches Zeichen zum Aufbruch.

Hafen von Grado, Italien

Du liest gerne unseren Reiseblog?
Unterstütze uns mit einer Spende oder werde ein Sponsor. Das Geld investieren wir in Ersatzteile für die NOMAD & in unsere Webseite.