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Schuften für den Traum

veröffentlicht am: 25. Mai 2026 | Doris Renoldner

Seit einigen Wochen sind wir wie vom Erdboden verschluckt. Abgetaucht in der Bootswerft von Bundaberg,

wo wir genau das tun, was wohl alle Langfahrtsegler irgendwann tun müssen: reparieren. Anfangs läuft auch alles wie am Schnürchen: Antifouling streichen, Lackschäden an Deck und Rumpf ausbessern, verbogene Relingstützen und die Fußreling wieder in Form klopfen, Ankerkette alle zehn Meter markieren. Doch einen Tag vor unserem geplanten Travellift-Termin ist plötzlich Schluss mit lustig.

„Doris, schau dir das mal an!“ ruft Wolf mit besorgter Stimme. „Ich glaube, unsere Propellerwelle ist verbogen. Die bewegt sich so komisch!“ Ich starre perplex auf die Welle, die Wolf langsam dreht und sehe sofort, was er meint. Sie eiert deutlich auf und ab. Bitte nicht! Nicht jetzt!. Doch es hilft nichts, die Propellerwelle muss raus! Und das bedeutet auf unserer Nomad nichts Geringeres, als den Motor anzuheben, um die Welle in die Kajüte herausziehen zu können. Nach hinten geht das leider nicht, dort blockiert der Skeg den Weg. Kurz gesagt: ein Albtraum!

Unser Yanmar hängt für drei Tage im Niedergang

Auf einem Boot können sich Prioritäten blitzschnell komplett verändern. Also marschiere ich ins Marinabüro und verschiebe unseren Travellift-Termin auf unbestimmte Zeit. Dann beginnen wir mit dem heiligen Akt des Abklemmens von diversen Schläuchen und Kabeln am Motor und heben ihn mit einem Kettenzug hoch. Drei Tage lang hängt unser treuer Yanmar mitten im Niedergang. Muss ich erwähnen, dass wir in dieser Zeit nicht mehr vom Cockpit in die Kajüte gelangen, sondern nur noch akrobatisch durch die Bugluke klettern können? Trevor, der Propeller-Spezialist, richtet unsere Welle wieder gerade und wuchtet gleich auch den Propeller aus. Danach setzt mein Kapitän das Puzzle wieder geduldig zusammen. Und tatsächlich: Nach knapp zwei Wochen Werftleben schwimmt unsere Nomad endlich wieder dort, wo sie hingehört – im Wasser. Uff, geschafft.

Doch damit ist die Schufterei noch lange nicht vorbei. Die Klopumpe muss zerlegt, eine neue Küchenarmatur montiert und der reparierte Wassermacher eingebaut werden. Wolfi verbringt gefühlt einen Tag am Bauch liegend unter der Spüle. Wir schlagen die Segel an, fädeln einen neuen Unterliekstrecker durch den Großbaum und erneuern die Lazybagleinen. Beim Riggcheck entdeckt Wolfi dann auch noch einen verdächtigen Riss am oberen Augterminal des Achterstags. Also: Achterstag abbauen. Zum Glück stellt sich heraus, dass der Riss nur ein Kratzer, also oberflächlich ist, und wir können das Achterstag am nächsten Tag wieder montieren. Dass mein Kapitän mindestens zehn Mal den Mast rauf und runter klettert und etliche Stunden da oben verbringt, sei nur nebenbei erwähnt; er sieht es als Krafttraining.

Nomad hoch und trocken in der Bootswerft der Bundaberg Port Marina

Wartungsarbeiten auf einem Boot dauern grundsätzlich immer sehr viel länger als geplant. Und sie verschlingen Zeit und Geld. Sie machen einen mürbe und treiben einen manchmal an den Rand des Wahnsinns. Aber sie gehören dazu, sie sind „part of the deal“, ein unumgängliches Übel. Unser schwimmendes Zuhause soll uns schließlich sicher über den Ozean tragen. Und über jede Arbeit, die wir jetzt erledigen, werden wir unterwegs dankbar sein. Unterkriegen lassen wir uns trotzdem nicht. Keine Chance. Denn da draußen warten Meer, Wind, Wellen, ferne Horizonte und neue Ufer auf uns! Und bald geht´s los! Sehr bald!


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