Voll beladene Einkaufswagen durch endlos lange Supermarktgänge zu schieben, zählt nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber für die nächsten Monate brauchen wir Vorräte -
und zwar jede Menge. Also kaufen wir ein. Zumindest von den „basics“ wie Nudeln, Reis, Mehl, Zucker, Öl, Kekse, Müsli, Haferflocken usw. wollen wir genug an Bord haben. Am Ende sind alle Schapps bis in die hintersten Winkel mit Lebensmitteln, Klopapier, Küchenrollen und Ersatzteilen voll gestopft, die Diesel- und Wassertanks bis zum Rand gefüllt. Sogar ein neues Solarpaneel schließt Wolf noch schnell am Abend vor unserer Abfahrt von Gladstone an.
Die Abreise kommt überraschend. Unser ursprünglicher Plan - sich noch ein paar Wochen „warm zu segeln“ und das Great Barrier Reef zumindest bis zu den Whitsundays zu erkunden – platzt, als uns die Gribfiles für eine Woche leichte westliche bis südliche Winde versprechen. „So ein Wetterfenster gibt es so schnell nicht wieder“, meint Wolf. „Falls wir ernsthaft zurück nach Melanesien segeln wollen, dann jetzt!“
Als wir die Leinen loswerfen, ist sie sofort da: diese Mischung aus Nervosität und Vorfreude. Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, seit wir zuletzt die Nächte durchgesegelt sind. Haben wir wirklich an alles gedacht? Nichts Wesentliches vergessen? In den nächsten Monaten wird es kaum Hilfe von außen geben. Was kaputt geht, müssen wir selbst reparieren. Was fehlt, fehlt.
Vor uns liegt die Coral Sea, die wir in den kommenden Tagen durchqueren wollen. Mit jeder Meile wächst das Kribbeln im Bauch und die Neugier auf alles, was vor uns liegt. Auf See verlieren die Tage schnell ihre Konturen, sie verschwimmen ineinander. Man merkt wieder, wie wenig es eigentlich braucht, um alles zu haben. Und wenn nur Wellen und Wolken an einem vorbeiziehen, werden kleine Dinge zu großen Ereignissen: Der Duft von frisch gebackenem Brot. Ein Rotfußtölpel, der auf der Heckplattform landet. Eine Goldmakrele, die anbeißt. Ein voller Mond. Mehr braucht es manchmal nicht.
Ich sitze im Cockpit und schaue auf dieses endlose Blau. In dieser Weite ist nichts und gleichzeitig alles. Genau das wird als Erinnerung an unsere Überfahrt von Australien nach Vanuatu bleiben. An diese Weite werde ich später denken, wenn etwas im Leben an Land mal wieder eng erscheint oder bedrängend. Nach ein paar Tagen ist das Meer wieder in uns angekommen. Wir haben uns angepasst an den Rhythmus des Windes und an den Rhythmus der Wellen. In den letzten beiden Nächten auf See ziehen Gewitter und bissige Böen über uns, doch als wir in den Segond Channel von Espiritu Santo einbiegen, ist das vergessen.
Zartes Morgenlicht fällt auf die vom Regen dampfenden Bäume. Wir schnappen uns eine Mooring vor dem Aore Dive Resort - und sind tatsächlich angekommen. Zurück in den Tropen, zurück in Melanesien. Was für ein Glück.
Eckdaten der Überfahrt:
Gladstone (Australien) nach Luganville (Vanuatu)
1068 Seemeilen
9 Tage auf See
Windrichtung: SW bis SSE, maximaler Wind in Böen: 32 Knoten
1 Mahi Mahi gefangen
1 Rotfußtölpel als blinder Passagier
Liegeplatz:
Aore Adventure Sports & Lodge: Wenn der SE-Passat zu stark bläst, kann man vor der Stadt Luganville nicht ankern, weil auflandig. Vor der Lodge gibt es 4 Mooringbojen für 2.000 Vatu (ca. 15 Euro) pro Nacht. Zum Ankern ist es hier zu tief.
Lesetipp:
Neues Lieblingsbuch: Jenseits der Wintersonne von Veronica Skotnes – philosophische Erzählung übers Leben und Segeln im Nordmeer
Musiktipp:
Aiyana Lee: Housebroken – ein Ohrwurm, der uns nicht loslässt!
https://youtu.be/of5zcQZGdb8?si=ZrnOJ3wHofQ0n_aq